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  • AutorenbildThomas

#2.9 Kalmar, Kalmarsund

⌘ 15.-24.6. Kalmarsund (SWE)

Von Utklippan starten wir in den Kalmarsund. Der Wind hat sich wieder beruhigt und kommt beständig aus Süd-Südwest. Perfekt für unseren Kurs unter Blister und Groß.


Die Umgebung wird langsam felsiger und die Untiefentonnen zahlreicher.

Der Begriff "Kalmar" bezeichnet im Altschwedischen einen steinigen Grund und den hat der Kalmarsund auf jeden Fall. Die Seekarte ist gespickt mit Hinweisen und Untiefen.

Das klingt nun erstmal dramatischer als es ist. Die Karten sind sehr detailliert und das Gewässer ist super vermessen und betonnt.

Wer nicht, wie wir, zwischendurch möglichst dicht unter Land einen Stop einlegen möchte, kann im Fahrwasser bleiben und sich entspannen.


Ab nach Kalmar

Uns zieht es wieder in die Stadt. Nach einiger Zeit in der „Einöde“ sehnt sich vor allem Shaima nach Menschen, Bummeln in den Gassen und langen Spaziergängen mit kleinen Pausen in gemütlichen Cafés.

Ich steuere unsere Arikana Richtung Trubel und Shaima versucht herauszufinden, wo wir am besten anlanden.

Zwei Häfen hat sie entdeckt. Ein großer - gekennzeichnet als City- und Gasthafen und ein kleiner, der keine weitere Beschreibung hat.

Auf Googlemaps sieht dieser eher aus wie ein Steg für Kajaks und kleine Boote. Apple´s Karten zeigt gar eine Baustelle. Auch der Weg dorthin, unter den wachsamen Türmen des Kalmarer Schlosses, sieht sehr eng aus, ist aber betonnt.

Shaima animiert mich zu dem Abenteuer, das uns flach und gewunden zu dem Anleger bringen soll. Zumindest mal gucken, abdrehen können wir immer noch.


Eng, enger, Liegen im historischen Hafenbecken

Seekarte für Ansteuerung

Einige Herzklopfmomente später machen wir an einem niegelnagelneuen Steg mit Blick aufs Schloss und die angrenzenden Parks fest. Beim Betrachten unserer wenigen Nachbarn und dem wirklich engem "Fahrwasser" überkommt uns das Gefühl, dass wir eine Spur zu groß für diesen Platz sind. Wir freuen uns über den tollen Liegeplatz und stoßen auf den variablen Tiefgang an: Lang lebe der Schwenkkiel!

Ganz nebenbei und als wäre es hier durch die Enge und geringe Tiefe nicht schon aufregend genug, machen wir hier das erste Mal an einer Heckboje mit Bug zum Pier fest.

Das klappt trotz Seitenwinds überraschend einfach und stressfrei. Auch ohne extra Bojenhaken und spezieller flacher Heckleine. Ein weiterer Grund anzustoßen!


Der neue kleine Steg wurde erst im vergangen Jahr gebaut und gehört zum großen Gasthafen. Die Bezahlung findet also dort statt, oder man wartet auf die abendliche Runde der Hafenmeisterin.

Nachtrag: Mittlerweile wird der Steg offiziell erwähnt und es gibt eine Karte für die Ansteuerung. Es werden max. 2m Tiefgang empfohlen, wobei wir bei unserem Besuch eine Tiefe von nur 1,8m vorgefunden haben.

Ab in den Trubel

Kalmar ist gut zu Fuß zu erkunden und so schlendern wir als erstes durch den großen Yachthafen, in dem sich ein Boot an das andere reiht (150 Gastplätze). Der Hafen selber liegt wie in einem Kessel umringt von hohen Gebäuden. Angrenzend die Universität und diverse Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, ein Kino, ein sehr gut sortierter Bootsladen, ein kleiner asphaltierter Stellplatz für die Wohnmobilisten, der ständig zu voll ist und der Bahnhof.

Wir sind sehr glücklich über unseren beinah leeren, ruhigen und grünen Logenplatz (14 Plätze, davon drei belegt). Die nahe Straße ist erstaunlich ruhig.

Trotzdem, wir wollten mal wieder etwas Trubel.

Umso dankbarer sind wir, als wir bemerken, wie die Jugend ihren Schulabschluss feiert. Trucks, Trecker und Baumaschinen ziehen bunt geschmückt mit den Absolventen auf den Ladeflächen durch die Straßen - es geht johlend und mit lauter Musik kreuz und quer immer wieder durch die Stadt. Was für ein Spektakel!

Wir beide bleiben immer wieder an den Straßenecken stehen und beobachten das Treiben. Judy haben wir zum Glück an Bord gelassen.

Wir staunen, dass das alles ohne irgendeine Polizeieskorte im regulären Strassenverkehr erlaubt ist und sich niemand daran zu stören scheint. Im Gegenteil! Alle, egal wie jung oder alt, freuen sich und niemand nimmt es als Hindernis wahr. Toll und ansteckend!

Etwas Kultur

Wir bummeln durch die Gassen der Altstadt, verweilen in Cafes und kümmern uns nach und nach um die nötigen Dinge. Wäsche waschen zum Beispiel, oder Aufstocken unserer Vorräte.

Unter anderem gehen wir auch über das Gelände des Schlosses und beschließen, dass uns das ganze auch von Innen interessiert. Am nächsten Tag finden wir uns bei einer der Führungen wieder. Bis auf die Sneaker, die unter den langen Röcken immer mal wieder hervorblitzen, zeigen alle Guides die Mode der damaligen Bediensteten - lange grobe Baumwollröcke, weiße Puffärmelblusen und dunkle Baumwollkorsagen gekrönt mit einem Häubchen oder Hut mit Feder.

Eine junge Frau hat unsere bunt zusammengewürfelte Truppe durch das Schloss geführt.

Wir erfahren viel über die Könige, das Leben der Adeligen und Angestellten und über das wechselhafte Dasein des Gebäudes. Super wechselt sie zwischen „trockenen“ Fakten, interessanten Details und witzigen Anekdoten.

Wusstest du zum Beispiel, dass sich die Türen für die feine Gesellschaft, wie durch Zauberhand, von alleine öffneten und schlossen?

Jede körperliche Anstrengung sollte vermieden werden! Dazu zählte bereits das Öffnen einer Tür und so musste jemand anders von außen auf sein Signal warten und dann öffnen. Meist ein junger Spross des lokalen Adels, der so die Gepflogenheiten zu Hofe erlernen und Kontakte knüpfen konnte. Deshalb haben die Türen nur von außen Griffe. Achtet bei eurem Besuch darauf!

Das Schloss zählt zu den am besten erhaltenen in Nordeuropa und ist eines der großen schwedischen Highlights.

Von Außen ist die Anlage kostenlos zu erkunden und nur für Innen wird Eintritt verlangt. Darin ist dann auch schon die Führung enthalten. Wahlweise in Schwedisch oder Englisch.

Wir finden, dass das Schloss mit seiner bewegten und sehr bedeutenden Vergangenheit auf jedenfall einen Besuch wert ist!

Nach einigen Tagen sind unsere „Trubelakkus“ wieder aufgeladen und Kalmar soweit erkundet.

Für uns geht es wieder weiter. Die Schären rufen!


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