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  • AutorenbildThomas

#2.8 Utklippan - Fels in der Brandung

⌘ 13.-15.6.2022, Utklippan (SWE)

Eigentlich nur ein Felshaufen, der einige wenige Meter aus dem Wasser ragt und doch so magisch anziehend.

Auch wir sind dem Reiz erlegen und haben den Kurs von Bornholms Nordspitze direkt auf die Felsen gelegt. 53NM und 9h später liegen wir in dem kleinen Becken mitten im Fels.

Utklippan - zunächst etwas Geschichte

Das Eiland ist ein Zusammenschluss von zwei Schären. Südlich finden wir Södraskär mit dem Leuchtturm und den Nebengebäuden und nördlich davon Norraskär mit dem Hafen und kleinem "Seglerheim".

Erste Erwähnung findet die Gegend auf einer Karte aus dem Jahre 1684. Damals als Basis zum Fischen und zur Robbenjagd.

Erst 1836 kam dem Ort weitere Bedeutung zu, als der Bau eines Leucht- und Signalturms beschlossen wurde. Dieser wurde 1842 zunächst vollendet und 1870 durch den Aufbau der Stahlkonstruktion erweitert.

Zwischendurch war auch das Militär anwesend, wobei es nie eine strategische Bedeutung gab und die Truppe Ende des 19. Jahrhunderts wieder abzog. Außer Wetter- und Schiffsdaten wurde nichts Wichtiges übermittelt. Zumindest heißt es so... Durch die moderne Navigation ist schließlich auch der Leuchtturm bedeutungslos geworden und seit den 1980er Jahren außer Betrieb.

Um 1900 entstanden die gelben Hütten für die Leuchtturmwärter und deren Familien. Gemeinsam stehen die Gebäude heute unter Denkmalschutz.

Der Hafen wurde erst in den 1940er Jahren in den Felsen gesprengt und mit Beton verkleidet. Er diente als Schutzhafen für die Fischer. Durch seine zwei Zufahrten kann er immer von Lee, also der geschützten Seite, angesteuert werden. Bis in die 1950er war es zudem möglich das Becken mit Toren zu verschliessen, um besser vor dem einlaufenden Schwell geschützt zu sein. Den Gerüchten nach, schlossen die Fischer häufig das Tor zur Wetterseite, liefen dann aber regelmäßig in Lee wieder aus ohne das Tor wieder zu öffnen. Irgendwann wurde der Hafenmeister angehalten die Fischer zur Ordnung zu rufen. Kurz darauf fand man die Ketten durchgesägt und die Tore auf dem Grund.

Außerdem gab es zu der Zeit noch einige einfache Unterkünfte auf Norraskär. Da sich aber niemand darum kümmerte und die Fischerleute nicht zu den reinlichsten Genossen gezählt haben sollen, wurde auch hier kurzer Prozess gemacht. Der Leuchtturmmeister verbrannte trockenes Gras, was "versehentlich" außer Kontrolle geriet. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Soweit die Sage.


Utklippan - die Gegenwart

Sicher ist hingegen, dass die Insel und die umliegende See ein Naturschutzgebiet, Rast- und Brutplatz vieler Vögel und außerdem Herberge seltener Krötenarten ist. Einige Teile der Insel dürfen/sollten deshalb nicht betreten werden.

Die Gebäude sind Teil des kulturellen Erbe Schwedens und werden seit 1972 mit Abzug des letzten Leuchtturmwärters vom Ornithologischen Club Karlskrona genutzt. Der Club betreibt eine Beringungs- und Zählstation.

Neben Vogelkiekern zieht es vor allem Segler hier her. Zwar nur einige Meilen von der schwedischen Küste entfernt, verspürt man einen Hauch von Abenteuer. Es fühlt sich einfach besonders an, diese Schären anzulaufen. Das Boot durch die schmale Einfahrt in das winzige Hafenbecken zu manövrieren und mitten im Felsen festzumachen. Insbesondere bei 25kn Wind, wie bei unsererem Besuch, ein spannendes Unterfangen.

Die Insel ist im Sommer wohl manchmal so beliebt, dass man über die Boote das Ufer wechseln kann. Das blieb uns erspart und wir hatten sogar das Glück, Utklippan ganze dreißig Minuten nur für uns zu haben.


Norreskär - der Hafen

Die Ansteuerung ist dank guter Karten und moderner Navigation kein Problem. Bei Wind sollte man unbedingt von Lee einlaufen und den Strom beachten, der durch die schmalen Zufahrten (ca. 9m breit) drückt. Ein Vertreiben in den "Vorhäfen" sollte tunlichst vermieden werden, denn es wird schnell flach und ungemütlich steinig. Die Darstellung bei den von uns verwendeten Navionics-Karten ist unvollständig aber ausreichend.

Das kleine Hafenbecken (ca. 40x90m) hat eine Kartentiefe von 2,4-3m. Wer Elektrizität möchte muss am Ostkai festmachen, wo sich auch das Seglerheim (kleiner Info- und Aufenthaltsraum) sowie die Toiletten befinden. Müllbehälter finden sich zur Genüge, wobei darum gebeten wird, seinen Abfall wieder mitzunehmen. Mehr Versorgung gibt es nicht.

Ein Aufenthalt von 24h kostet 180SEK, also ca.16€ (Stand 06/22) und kann beim Hafenmeister oder via App gezahlt werden. Bei unserem Besuch war kein Hafenmeister anwesend. Dieser verweilt wohl nur zur Hauptsaison (Juli, August) auf der Insel. Die Zahlung via App ist aber ebenfalls möglich, sofern man denn etwas Geduld mitbringt...das Mobilnetz ist nicht allzu stark.


Södraskär - der Leuchtturm

Wenn du hier her möchtest, musst du rudern.

Das Internet ist sich einig: Im Hafen befindet sich ein Ruderboot zu diesem Zweck. Das stimmt soweit, war es bei unserem Besuch allerdings noch angekettet und eines der Paddel gebrochen. Wir haben zum Glück "Little Ari" dabei und sind damit übergesetzt.

Die südliche Schäre ist etwas größer und aufgrund der Gebäude und Infotafeln gibt es mehr zu entdecken. Aber auch hier ist der Spaziergang kurz. Egal wie sehr man auch schlendert und trödelt.

Zur Saison soll es hier auch einen kleinen "Sailors-Pub", ein Hostel sowie regelmäßige BBQ-Abende geben.


Fazit

Ein besonderer Ort, der in jedem Fall einen Besuch wert ist. Wir waren in der Vorsaison dort und haben ihn uns mit wenigen anderen Booten geteilt. Aufgrund dessen und der geringen Größe war es wunderbar friedlich, ruhig und entschleunigend. Ein Besuch zur Hauptsaison zeichnet wahrscheinlich ein ganz anderes Bild.



2 Kommentare

2 Comments


Guest
Aug 16, 2022

Hallo ihr Lieben!

Das war aber mal ein sehr ausführlicher Exkurs durch die große Geschichte des kleinen Felsens.

Habt ihr auch Menschen getroffen?

Was für Gespräche habt ihr geführt? Wo kommen die anderen Reisenden her und wo wollen sie hin.

Das würde mich auch sehr interessieren.

Fühlt euch umarmt - Christiane


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Shaima
Shaima
Oct 03, 2022
Replying to

Hallo von der Arikana! Wir haben einige Segelboote gesehen, allerdings nicht mit allen gesprochen. Ein Rentnerpaar wollte weiter die schwedische Küste hoch, wobei Sie sehr redselig war und so allerlei internes preisgab. Über die Familie, ihren Mann, der nicht mehr so gut zu Fuß ist und wie Sie die ganze Segelei so langsam gefährlich findet. Ich hab lediglich beim anlegen geholfen! Ebenfalls ein Rentner war alleine mit seinem Holzsegelboot unterwegs - über 120 Jahre alt, richtig gut in Schuss und so flach, dass er beim segeln wohl ständig nass wird. Er wollte bis nach Finnland und im August wieder zuhause in Deutschland sein. Also eine stramme Tour! Vermutlich waren auch noch Vogelkundler vor Ort - die haben wir allerdings nur…

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